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Andersson Saml., Centre for History of Science, Royal Academy of Science, Stockholm. M60.02.22

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Wilhelm Sonder to Nils Andersson, 1860-02-22 [M60.02.22]. R.W. Home, Thomas A. Darragh, A.M. Lucas, Sara Maroske, D.M. Sinkora, J.H. Voigt and Monika Wells (eds), Correspondence of Ferdinand von Mueller, <https://vmcp.rbg.vic.gov.au/id//letters/mentions/selected/M60-02-22-final.odt>, accessed June 10, 2026

Hamburg d. 22 Febr 60
Geehrtester Freund!
Aus meinem Schweigen werden Sie geschlossen haben, dass ich übermässig beschäftigt war, und so verhält es sich wirklich. Ich glaubte vor vier Wochen mit meiner Arbeit zum ersten Bande fertig zu sein, als Sir W. Hooker der allgewaltige, bestimmte, dass eine Aenderung in der Reihenfolge der Familien, so wie Harvey und ich sie verabredet hatten, eintreten sollten. Ich bin genöthigt gewesen, in diesen letzten Wochen eine schwierige Familie fertig zu machen, die ich bis zum Frühling oder den helleren Tagen zurückgelegt hatte. Und so ist es gekommen, dass ich ganz vergesssen habe, Ihnen den Empfang der 16 Thäler anzuzeigen. Entschuldigen Sie meine Vergessenheit.
In der vorigen Woche haben wir unsern Professor Lehmann begraben. Wenn ein so alter Bekannter es waren gerade 30 Jahre als ich zum ersten Male seine Vorlesungen besuchte — die himmlische Reise antritt, wird einem doch das Herz etwas gross. Bei manchen Fehlern hatte der Verstorbene doch auch seine grossen Vorzüge, und ob wir einen so energischen Gartendirector wieder bekommen, ist wohl sehr die Frage. Man will einen Mann anstellen, der sich zugleich am zoologischen Museum nützlich macht und Zoologie aus dem Grunde versteht und lehren kann, lässt sich das wohl mit einer Direction eines bot Gartens, wie unsrigen, vereinigen? Als wenn das Bestimmen der Pflanzen nur ein Kinderspiel sei. Es haben sich schon verschiedene Herren gemeldet, Reichbach fil, Schacht, Dr Steetz u Dr Möbius; letzterer ein sehr tüchtiger Zoolog, der in unserm Gymnasium hübsche Vorträge hält, auch in den letzten Jahren in den Schulen botanischen Unterricht gegeben hat, hat wohl die meisten Aussichten. Wäre Steetz 10 Jahre jünger und könnte er nur gut vortragen, so wären seine Aussichten vielleicht eben so gut, aber er ist auch wieder kein Zoolog.
Unser erster Band der Flora Capensis wird zu Ostern gedruckt sein, Harvey hat die Einleitung drucken lassen, so lange ich noch an meiner Familie zu thun hatte. Die Leguminosen kommen nicht mehr in dem ersten Bande.
Zum Frühjahr sende ich Ihnen und Fries die geliehenen Pflanzen zurück und wenn Sie wollen, lege ich auch Ihnen weider einige australische Sämereien bei. Da fällt mir etwas ein, was ich Ihnen aber nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit mittheile.
Dr Müller in Melbourne, der in seiner Stelle als Praesident der Victorian Institute und als Liebling des Gouverneurs häufig mit hochgestellten Leuten zusammen kommt, hat mir so verblümt zu verstehen gegeben, es könne für ihn von Nutzen sein wenn er einen Orden besässe; eine solche Auszeichnen würde seine Stellung noch bedeutender machen, es würde noch leichter zum Nutzen der Wissenschaft über Mittel disponiren können. Ist es wohl möglich, dass von Schweden aus ihm eine solche Auszeichnung zu theil werde? Ich weiss nicht, ob es geht und wie es geht, aus Kopenhagen haben schon verschiedene Gelehrte Orden erhalten, aber ich bin in Kopenhagen nicht bekannt, und gönne Ih n e n den Vortheil, der daraus entstehen konnte lieber als den Dänen. Es versteht sich von selbst, dass Dr Müller dem dortigen Museum schöne Geschenke machen, überhaupt sich für die Folge sehr dankbar beweisen würde. Ist es nöthig, dass schon vorher etwas eingesendet werde, so bin ich bereit Ihnen eine schöne Sammlung Müller schen Pflanzen bald zu übermachen; ausserdem habe ich ein halbes Dutz Goldstufen aus Melbourne liegen, die wenigstens einen Werth von 8 Pfund Sterling haben und die ich zugleich mitbeilegen könnte, auch verschiedene Drucksachen, die Sie dort nicht besitzen. Ich thue alles für den Müller denn er ist ein Mann, der keine seines Gleichen hat, der nur für die Wissenschaft lebt und immer darüber aus ist, andere zu unterstützen, der seine jährliche Einnahme von ca 800£ zu wissenschaftl. Expeditionen hergiebt, ohne an die Zukunft zu denken.
Wie gesagt, lieber Freund, Sie müssen mir nicht übel nehmen, dass ich Ihnen mit einer solchen Zumuthung kommen, aber es ist nur eine Anfrage, ein abschlägiger Bescheid kann mich durchaus nicht kränken. Ich habe keinen Begriff von derartigen Schritten und deshalb muss ich mich an Freunde wenden!
Mich freut herzlich, dass es in Ihrem kleinen Kreise so gut geht. Jetzt geht es bei mir ebenso, aber vorhin waren Frau und Kinder nach der Reihe krank.
Grüssen Sie die Ihrigen und seien Sie gegrüsst von
Ihrem
ergebenen
W. Sonder
Hamburg, 22 February 1860
Most esteemed friend,
From my silence you will have inferred that I have been excessively busy, and so it really is. I thought I had finished my work on the first volume four weeks ago, when Sir W. Hooker, the Almighty, determined that there should be a change in the order of the families as Harvey and I had arranged them.
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i.e. for Harvey & Sonder (1859-65).
I have been obliged in these last weeks to finish a difficult family, which I had left till the spring or brighter days.
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It is not known which of the families for which Sonder was responsible he found 'difficult'.
And so it happened that I completely forgot to inform you of the receipt of the 16 taler s. I apologize for my forgetfulness.
Last week we buried our Professor Lehmann.
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J. G. C. Lehmann, died 12 February 1860.
When such an old acquaintance - it was just 30 years ago when I attended his lectures for the first time - sets off on his heavenly journey, you feel it very much . Despite some faults, the deceased also had his great merits, and whether we will get such an energetic garden director again is very much a question. We want to appoint a man who is also useful at the zoological museum and who understands and can teach zoology from the ground up. Can this be combined with the management of a botanical garden like ours? As if identifying plants were child's play. Various gentlemen have already come forward, Reichbach fil,
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i.e. Heinrich Gustav Reichenbach. After a long competition, he was appointed as Director in July 1863 and served until his death in1889 (Allgemeine Deutsche Biographie).
Schacht, Dr Steetz and Dr Möbius; the latter, a very capable zoologist who gives excellent lectures in our grammar school and has also taught botany in schools in recent years, probably has the best prospects. If Steetz were 10 years younger and could just give good lectures, his prospects would perhaps be just as good, but again he is not a zoologist.
Our first volume of the Flora Capensis will be printed at Easter; Harvey had the introduction printed while I was still working on my family. The legumes will no longer be in the first volume.
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The first volume of Harvey & Sonder (1859-65) was published May 1860 (TL2), but bears the dates 1859-1860 on the title page. Leguminosae, by Harvey, opened vol 2.
In the spring I will send you and Fries back the plants I have borrowed and if you like I will also enclose some Australian seeds. Something occurs to me, but I will only tell you about it under the seal of secrecy.
Dr M ue ller in Melbourne, who in his position as President of the Victorian Institute and as the Governor's favourite frequently meets with people of high rank, has indirectly given me to understand that it could be of use to him if he had a decoration ; such a distinction would make his position even more important, it would be even easier to dispose of means for the benefit of science. Is it possible that Sweden could bestow such an hono u r on him? I do not know whether it is possible and how it can be done; various scholars have already received decoration s from Copenhagen, but I am not known in Copenhagen, and I would rather grant you the advantage that could arise from it than the Danes. It goes without saying that Dr M ue ller would make fine gifts to the museum there and would generally prove very grateful for the result. If it is necessary to send something beforehand, I am prepared to send you a fine collection of M ue ller's plants soon; in addition, I have half a dozen gold specimens from Melbourne, which are worth at least 8 pounds S terling and which I could enclose at the same time, as well as various printed items that you do not possess there.
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The first decoration received by M was the Order of Dannebrog (Dannebrogsorden), Knight, 3rd class; see A. Moltke to M, 30 April 1863. Andersson's reply has not been found, but Sonder to Johan Lange, 31 August 1860 (in this edition as M60-08-31) requested Lange to lobby for a Danish decoration for M.
I will do anything for Mueller because he is a man who has no equal, who lives only for science and is always keen to support others, who spends his annual income of about £800 on scientific expeditions without thinking about the future.
As I said, dear friend, you must not take offense at my coming to you with such an imposition, but it is only an inquiry, a refusal cannot offend me at all. I have no idea of such steps and therefore I must turn to friends!
I am delighted that things are going so well in your little circle. It is the same with me now, but earlier my wife and children were ill in turn.
Give my best wishes to yours and greetings from
your
devoted
W. Sonder